Deutschland

Beate Sauer. Der Hunger der Lebenden – Friederike Matthée 2 (2019)

Köln 1947. Die Stadt liegt noch in Trümmern, es ist hochsommerlich heiß und die Menschen hungern. Da ist Polizeiassistentin Friederike Mathée ganz froh, dass ein neuer Fall sie aus der heißen Stadt hinausführt: Die ehemalige Polizistin Ilse Röder ist auf ihrem Gut im Bergischen Land ermordet worden. Die Täterin wurde neben der Leiche gefasst – aber die junge Frau bestreitet, die Mörderin zu sein. Friederike Mathée ist die Einzige, die ihr glaubt.

Als Polizeiassistentin bei der Weiblichen Polizei hat Friederike Mathée sich zwar inzwischen etwas eingewöhnt, aber dass sie reine Befehlsempfängerin ist, mag sie nicht besonders. Zwar schickt ihre Vorgesetzte sie zur Vernehmung der Täterin, eine sehr junge Frau, ins Bergische Land, doch der dortige Polizist lässt sie gar nicht zu ihr. Hauptkommissar Heimerzheim, der kurz darauf eintrifft, ist zwar etwas großzügiger zu Friederike, doch auch er ist absolut von der Schuld der jungen Franziska Wagner überzeugt, die mit der Waffe in der Hand neben der Leiche angetroffen wurde. Allerdings macht sie keinerlei Aussage, tobt und wütet nur.

Die Verdächtige

Es stellt sich heraus, dass Franziska Wagner allen Grund hatte, sich an Ilse Röder zu rächen: Als diese noch Polizistin war, hat sie das junge Mädchen nach mehreren Delikten in ein „Polizeiliches Jugendschutzlager“ eingewiesen, in dem die Heranwachsenden grausam gequält wurden. Was aber auch niemand gewusst haben will von Friederikes jetzigen Kolleginnen … Als Franziska Wagner endlich nach Köln zurückkehren konnte, waren ihre Mutter und Schwester inzwischen bei einem Bombenangriff umgekommen. Die junge Frau lebte mit anderen Jugendlichen im Keller einer zerbombten Fabrik, hatte dort die kleine Elli unter ihre Fittiche genommen, für die sie liebevoll sorgte. Friederike ist überzeugt, dass Franziska keine Mörderin ist, und versucht, anderen Spuren zu folgen, was ihre Vorgesetzten gar nicht gerne sehen.

Britische Soldaten

Etwa zeitgleich werden ganz in der Nähe die Leichen von drei britischen Soldaten gefunden, die eindeutig ermordet wurden. Um diesen Fall aufzuklären, lässt sich Richard Davies von der Military Police noch einmal nach Deutschland schicken. Ihn und Friederike hatte im vorherigen Band eine Liebesgeschichte verbunden, doch aus England hatte er sich nicht bei ihr gemeldet. Trotzdem fordert Davies wieder die Unterstützung von Polizeiassistentin Mathée an und trotz aller privater Turbulenzen kommen die Ermittlungen jetzt endlich voran. Bis Friederikes Bruder Hans auf einmal wieder auftaucht und sie den schrecklichen Verdacht hat, dass er in den aktuellen Fall verwickelt sein könnte.

Historischer Krimi

Der Kriminalfall ist ganz interessant, wenn man ihn im Zusammenhang mit der historischen Kulisse sieht, und diese steht ganz klar im Vordergrund. Die Zerstörungen, Hitze und Hunger kennzeichnen gerade das Leben, dazu immer noch das Misstrauen: Wer war an den Verbrechen der Nazis beteiligt? Wer hat profitiert? Andererseits versuchen die Überlebenden, eine neue Normalität zu finden und trotz aller Wunden endlich wieder zu leben, ein wenig Spaß zu haben. Dieses Setting ist der Autorin gut gelungen, es bestimmt die Atmosphäre des Romans, ohne sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängeln. Mit historischen Romanen hat die Autorin ja auch bereits einige Erfahrung. Vielleicht deswegen liest sich dieses Buch eher als historischer Roman mit Kriminalfall denn als Krimi vor historischem Hintergrund – als solcher aber sehr unterhaltsam.

Beate Sauer. Der Hunger der Lebenden. Ein Fall für Friederike Mathée. Berlin: Ullstein, 2019. (Friederike Matthée 2)

Vielen Dank an NetGalleyDE und den Ullstein Verlag für das Rezensionsexemplar!

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