Frankreich, Normandie

Catherine Simon. Falsche Austern – Kommissar Leblanc 4 (2018)

Albert Barat, der Leiter von Kunstmuseen in Le Havre und Honfleur, wird erschossen, als er an einem Sonntagmorgen auf sein Boot geht. Es scheint ein gut platzierter Treffer zu sein, der auf einen kundigen Schützen schließen lässt. Doch wodurch hat der friedliebende Kunsthistoriker sich einen Todfeind gemacht? Neben den Ermittlungen muss sich Kommissar Leblanc mit einigen privaten und beruflichen Sorgen herumschlagen.

Kommissar Jacques Leblanc und seine Assistentin Nadine müssen auf Weiung von oben die Ermittlungen gemeinsam mit Kommissar Luc Pennec aus Le Havre durchführen, was die Sache erschwert: Leblanc ist nicht gerade für seine Kooperationsbereitschaft bekannt und der junge Pennec ist ehrgeizig und will Karriere machen. Während Nadine mit dem Kollegen aus Le Havre anbändelt, ist für Leblanc klar, dass die erzwungene Zusammenarbeit nur der Vorbote einer Zusammenlegung der beiden Kommissariate ist. Und er weiß, dass nicht er der leitende Kommissar dort sein wird.

Mögliche Motive

Während er also seine berufliche Zukunft in Gefahr sieht – und nicht mal weiß, ob er das bedauert -, findet er heraus, dass in Barats Museum vor Kurzem gefälschte Gemälde aufgetaucht sind. Hatte Barat den Fälscher oder einen Komplizen unter Druck gesetzt? Oder hatte eine verflossene oder aktuelle Geliebte bzw. die eifersüchtige Ehefrau die Hände im Spiel? Oder spielt das Engagement Barats für Migranten, besonders aus Algerien, ein Rolle, wo auch Barats Familie lange Zeit lebte?

Beziehungsprobleme

Daneben bereitet auch Marie dem Kommissar Sorgen, denn jetzt, wo er bereit für eine Beziehung ist, hat Marie plötzlich einen anderen. Einen Betrüger, wie Leblanc schnell herausfindet … Da ist es ganz positiv, dass als weitere Verwicklung Leblancs Mutter zu Besuch in Frankreich ist und ihren Stiefsohn Dayo bei Leblanc bzw. bei Marie unterbringt.

Interessanter Fall, schönes Setting

Die privaten und beruflichen Sorgen Leblancs nehmen im Krimi einen nicht ganz so großen Raum ein, wie hier in meiner Zusammenfassung. Die verschiedenen Nachforschungen, oft im Wettstreit mit Pennec oder gar heimlich oder gegen Anweisungen des Staatsanwaltes stehen schon im Mittelpunkt des Krimis. Sie laufen relativ ruhig ab, gelegentlich scheint alles fast ein wenig langsam voranzugehen, vielleicht etwas realistischer als die häufig überdramatischen Sturzbäche in der Handlung manch anderer Krimis. Vielleicht liegt es aber auch am Stil der Autorin, der nach meinem Geschmack häufig ein wenig holpert, ein wenig zu umständlich ist. Die Figuren bleiben eher blass und agieren hölzern, als Leser sieht man quasi den Plan der Autorin, der hinter allen Aktionen steckt, statt den Eindruck von Menschen und konsequentem Handeln zu erhalten.

Trotzdem ist der Fall an sich sehr gut konstruiert, auch wenn in diesem Band die Beteiligung von Geheimdiensten ein befriedigendes Krimi-Happy-End verhindert. Ein großer Pluspunkt ist wieder der wunderschöne Schauplatz um Honfleur, den man sich aber in diesem Band überwiegend selbst vorstellen muss, Beschreibungen sind rar, vielleicht wurden sie bereits in den vorherigen Bänden aufgebraucht.

Catherine Simon. Falsche Austern. Der vierte Fall für Kommissar Leblanc. München: Goldmann, 2018.

Vielen Dank für das Rezensionsexemplar.

Mehr zur Autorin und zur Serie auf der Autorenseite Catherine Simon.

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