Deutschland, Rügen

Katharina Peters. Strandmord – Romy Beccare 7 (2018)

An einem Strand bei Glowe wird eine Frauenleiche gefunden, grausam misshandelt, die Lippen mit zwei Ringen verschlossen. Die Vorgehensweise erinnert Kommissarin Romy Beccare an einen früheren Fall, der damalige Täter ist seit Kurzem aus der Haft entlassen. Mit der Identifizierung des Opfers ergibt sich allerdings eine ganz andere Spur …

Vor fünfzehn Jahren half Romy Beccare als junge Kommissarin bei der Überführung von Konrad Ahlbeck, der seine Opfer auf dieselbe Weise misshandelte, die auch das aktuelle Opfer erdulden musste. Als Lockvogel war sie Ahlbeck nähergekommen, als sie je wollte, und mit dem neuen Fall wird die damalige Angst wieder sehr lebendig für die Bergener Kommissarin. Doch schnell stellt sich heraus, dass Ahlbeck inzwischen als vermeintlich braver Requisiteur an einem Theater in Neustrelitz arbeitet. Nicht einmal für eine offizielle Überwachung finden sich genug Hinweise.

Ein Kinderarzt als Mörder?

Das Opfer wird als Karola Thiel identifiziert, eine Pharmareferentin, die auf Rügen diverse Praxen besuchte. Die letzte vor ihrem Tod war die Praxis des Kinderarztes Markus Nebert, der, wie sich bald herausstellt, von dem Opfer erpresst wurde. Doch womit? Beteiligte er sich wie die Tote an harten Sado-Maso-Spielchen? Oder liegt der Grund für die Erpressung in der Vergangenheit? Und hat wirklich der Kinderarzt die Tote so grausam zugerichtet?

Nachwirkungen der DDR

Während im vorherigen Romy-Beccare-Band die DDR-Vergangenheit ausnahmsweise keine Rolle spielte, greift die Autorin in diesem Band wieder ein umstrittenes Kapitel auf: illegale Medikamentenversuche an Patienten in einer DDR-Klinik – für westdeutsche Pharmakonzerne. Dabei ist der Krimi nirgendwo in der Vergangenheit versunken, weder idealisiert noch moralisiert er, sondern verpackt die Nachwirkungen dieser Machenschaften in einen spannenden Fall.

Persönlich

Auch Kommissarin Romy Beccare begegnet in diesem Fall der Vergangenheit, ihrer eigenen als Lockvogel, und damit ihren ganz privaten Ängsten, die sie lange verdrängt hatte. Die toughe Polizistin hat gelegentlich etwas Mühe, normal zu funktionieren, auch wenn ihr Chef und Lebensgefährte, Jan Riechter, sie unterstützt und zu beschützen versucht. Wie in jedem Band agieren auch hier wieder Menschen mit eigenen Charakteren, ohne dass das Privatleben jemals zu sehr in den Vordergrund treten würde.

Wieder ein intelligenter, routinierter, spannender Krimi mit viel Rügener Lokalkolorit und einem Einblick in ein düsteres DDR-Kapitel.

Katharina Peters. Strandmord. Ein Rügen-Krimi. Berlin: Aufbau Verlag, 2018. (Romy Beccare 7)

Mehr zur Autorin und zur Serie auf der Autorenseite Katharina Peters.

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