Italien

Bruno Varese. Totenstille über dem Lago Maggiore – Matteo Basso 3 (2018)

Matteo Basso zieht es in die Berge oberhalb des Lago Maggiore. Doch aus einer harmlosen Bergtour wird ein dramatischer Ausflug: Am Gipfel findet Matteo einen abgestürzten Wanderer, die Nacht verbringt er mit einer höchst sonderbaren Wandergruppe und am nächsten Morgen findet er in einer anderen Hütte zwei weitere, grausam zugerichtete Leichen. Der zuständige Kommissar hat viel zu schnell eine nette Lösung parat, also muss Matteo selber ermitteln.

Der Ex-Polizeipsychologe und jetzige Fleischer Matteo Basso ist genervt: Seine Freundin Nina, eine Kommissarin, ist alleine in den Urlaub gefahren und seine Macelleria an Ufer des Lago Maggiore ist eine Baustelle. Ein lustiges Senioren-Trio baut dort gerade ein weiteres Zimmer an, seit Matteo den Hund Gustavo und eine Freundin hat, ist der Platz ein wenig knapp geworden. Wenn Nina nicht, wie Matteo befürchtet, alleine Urlaub macht, weil sie sich von ihm trennen will. Eine Tour auf den Cima della Laurasca soll ihn auf andere Gedanken bringen. Dafür stärkt sich Matteo zunächst in einem Agriturismo am Fuße des Berges, wo es nicht nur Riesen-Portionen gibt, sondern auch merkwürdige Gäste, die so gar nicht auf den Berg zu passen scheinen.

Ein toter Wanderer

Das mit der Ablenkung auf der Bergtour klappt, allerdings hatte sich Matteo das weniger dramatisch vorgestellt. Auf dem Gipfel findet er einen Toten. Ein Unfall? Oder Mord? Helfen kann Matteo alleine nicht und ein Gewitter zwingt ihn, in der nächsten Hütte Zuflucht zu suchen. Die ist bereits mit einer großen Wandergruppe belegt, die ihn aber aufnehmen und ihm sogar einen leeren Schlafplatz zur Verfügung stellen können. Sofort hat Matteo den Verdacht, dass dies der Platz des Toten sein könnte. Aber warum hat dann Filipo, der scheinbar eine Art Sprecher der Gruppe ist, so gar nicht auf Matteos Berichte von dem gefundenen Toten reagiert?

Ein totes Paar

Gezwungenermaßen übernachtet Matteo in der Hütte, macht sich aber früh am nächsten Morgen auf den Weg, um anderswo Hilfe zu suchen. Er versucht dies bei einer bewirtschafteten Alpe, nur um hier noch größeres Grauen zu finden: zwei übelst zugerichtete Leichen, Marcello Conte und Natalie Lemerre, die Bewohner der Alpe. Das Paar betrieb vorher eine Firma für erneuerbare Energien in Marseille.

Verschwundene

Erst im Agriturismo kann Matteo die Polizei informieren, der er dann die Fundstellen zeigen soll. Der abgestürzte Wanderer allerdings ist spurlos verschwunden. Und auch die Wandergruppe ist längst weitergezogen. Kommissar Settignano beäugt Matteo misstrauisch, vor allem als dieser Settignanos These von einer osteuropäischen Diebesbande energisch widerspricht. Da Matteo sicher ist, dass Settignano den bequemen Weg wählen wird und keinesfalls nach einem Toten suchen wird, der verschwunden ist, macht Matteo sich an die Ermittlungen. Nina würde das zwar nicht gutheißen, aber die genießt ja gerade ihren Urlaub ohne ihn und bekommt das sowieso nicht mit, beschließt Matteo trotzig.

Spannende Ermittlungen

Seine Nachforschungen führen Matteo zunächst zurück zum Tatort. In der Alpe meint er die Buchstaben d und s an der Wand zu erkennen – eine letzte Botschaft des Toten? Die Initialen des Mörders? Im Agriturismo trifft er nur die Schwester des Wirtes an, auch sie scheint etwas zu verbergen. Der Chef des Nationalparks, zu dem das Gebiet gehört, ist Arturo Conte, der Bruder des ermordeten Alpe-Bewohners. Er ist fassungslos und trauert. Über die beiden Toten in der Alpe scheint niemand viel zu wissen, Matteo erhofft sich mehr Infos von dem Journalisten François Duply, der ein ausführliches Porträt über das Paar und seine Firma geschrieben hatte. Doch als Matteo nach Marseille kommt – mit dem Senioren-Trio im Schlepptau – stellt sich heraus, dass auch der Journalist seit einigen Tagen verschwunden ist. Und bei der Wandergruppe handelt es sich um eine Gruppe von „Tendere la mano“ – eine alternative Lebensgemeinschaft? Oder eine Sekte? Ein Turiner Zuhälter spielt auch noch eine Rolle …

Beste Krimi-Unterhaltung

Viele interessante Spuren also, die Matteo allerdings lange nicht so ganz zusammensetzen kann. Gut, dass er dann doch noch Unterstützung von „seiner“ Kommissarin bekommt. Und natürlich von dem Trio infernale, das sich nicht nur um die Reparatur von Oldtimern kümmert, sondern auch um Matteos Anbau und die humorvolle Komponente, die dem Krimi sehr gut bekommt. Für das Menschliche ist vor allem Nina zuständig, sowohl Opfern gegenüber als auch was die Beziehung angeht. Wobei Matteo auch kein knallharter Ermittlertyp ist, sensibel ist er schon, aber auch verdammt hartnäckig. Ein sehr guter Krimi vor malerischer Landschaft, beste Unterhaltung also.

Bruno Varese. Totenstille über dem Lago Maggiore. Ein Fall für Matteo Basso. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2018. (Matteo Basso 3)

Mehr zum Autor und zur Serie auf der Autorenseite Bruno Varese.

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