England

Elizabeth George. Wer Strafe verdient – Inspector Lynley 20 (2018)

Barbara Havers muss gemeinsam mit Detective Chief Superintendent Isabelle Ardery einen alten Fall untersuchen – das heißt, eigentlich sollen die beiden nur feststellen, dass alle polizeilichen Untersuchungen korrekt abgelaufen sind. Doch natürlich fällt Barbara schnell auf, dass ganz offensichtlichen Fragen gar nicht nachgegangen wurde. Wieso?

In Ludlow, Shropshire, hatte sich vor einigen Wochen der junge Diakon Ian Druitt das Leben genommen, während er sich in Polizeigewahrsam befand. Der örtliche „police community service officer“ Gaz Ruddock hatte ihn festgenommen, dann aber alleine in einem Raum gelassen. Grund für die Festnahme war ein anonymer Anruf, der Druitt der Belästigung von Kindern bezichtigt hat. Obwohl die Abläufe bereits geprüft wurden und scheinbar keinerlei Fehlverhalten vorlag, bewirkt Druitts Vater über seinen Abgeordneten, dass Scotland Yard die Vorgehensweisen noch einmal durchleuchten soll. Isabelle Ardery muss selber hin und beschließt, dass dies eine gute Gelegenheit ist, Barbara Havers so genau auf die Finger zu schauen, dass danach Barbaras Versetzung endlich unvermeidlich ist.

Ardery/Havers

Barbara Havers ist natürlich überhaupt nicht begeistert, sie weiß, dass sie sich keinen Fehltritt erlauben darf. Also befolgt sie brav die Anweisungen ihrer Vorgesetzten – bis diese sich weigert, für Barbara ganz offensichtlichen Spuren nachzugehen. Ardery kämpft auch bei diesem Einsatz gewaltig mit ihrem Alkoholproblem und Barbara fragt sich, wie weit der Alkohol womöglich ihr Urteilsvermögen trübt. Doch auch ihr vorheriger Partner Thomas Lynley rät ihr, besser alle Anweisungen zu befolgen, und so ändert Barbara auch den Bericht über ihre Ermittlungen ab und lässt die offenen Fragen raus.

Lynley/Havers

Lynley allerdings fühlt sich dann doch mehr der Wahrheit verpflichtet und gibt die erste Version des Berichtes gleich nach ganz oben weiter – was dazu führt, dass jetzt doch wieder das alte „Dreamteam“ Lynley/Havers in Ludlow den alten Fall wieder aufrollt. Und dabei finden Sie Ungeheuerliches heraus …

Kriminalistik und Psychologie

Auch dieser Band zeugt von der Kunst der Autorin Elizabeth George: Ein hervorragender Krimi mit einem undurchschaubaren Fall mit überraschenden Entdeckungen und Wendungen, Figuren mit Tiefe, erzählt mit viel psychologischem Gespür und einer Liebe zu Details, die aber niemals zu weit abschweifen. Für mich ist das ganz große Krimi-Kunst, ein Krimi mit einem Plus an psychologischem Roman und trotzdem absolut spannend auf allen knapp 600 Seiten. Jedenfalls keine schnelle Krimikost für Zwischendurch.

Elizabeth George. Wer Strafe verdient. Goldmann, München 2018. | Original: The Punishment She Deserves. 2018. Übersetzung Charlotte Breuer und Norbert Möllemann. (Inspector Lynley 20)

Mehr zur Autorin und zur Serie auf der Autorenseite Elizabeth George.

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